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Diverse Texte

Hier eine kleine Auswahl diverser Texte aus noch diverseren Fanzines die Herr Oberpichler über die Jahre geschrieben hat. Wer keine Lust hat alles am Browser durchzulesen kann hier klicken und sich eine ausdruckbare pdf runterladen. Zum Betrachten braucht ihr den Adobe Acrobat Reader.

How Punkrock started – Zepp Oberpichler (aus: Plastic Bomb 42, Februar 2003)

“Keine Angst vorm Rock`n`Roll, die Musik die rockt so toll!” Erinnert sich noch jemand an diesen Schnulz von der Band Leinemann? Son Zeugs war Ende der 70er schwer angesagt in Deutschland, zu mindest bei der Elterngeneration. Die Elterngeneration gab sich damals schwer jovial, sie war aufgeklärt, neuerlich emanzipiert und man glaubte noch an das Wirtschaftswunder oder verschloss die Augen vor der Krise. Hinter all diesen Fassaden krachte es natürlich enorm! Davon legen Bücher wie »Andi«, »Rolltreppe Abwärts« und kurze Zeit später auch »Wir Kinder vom Bahnhofzoo« hinreichend Zeugnis ab. Im TV gab es irgendwann Ende der 70er »Die Straße«, der große Durchbruch von Uwe Ochsenknecht und Klaus Theo Gärtner, da ging es um Rocker. Das fand ich schon spannend, da wurde auch mal Sweet gespielt und ich entdeckte »Hotel California« von den Eagles. Na ja, so ab Mitte der 70er begann ich dann auch ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, was gar nicht so einfach war, bedenkt man, dass ob aller Modernität, der Grundton eher als rückständig zu bezeichnen war. Obwohl ich am 25.01.1967 geboren wurde, passierte bis Mitte 70 wenig in meinem Leben. Schon gar kein Punkrock, immer schön sauber bleiben war angesagt. Man stand auf gute Unterhaltung a la Wim Tölke oder Rudi Carrell und bei den Fernsehern der Nation brach ein abgehalfterter Peter Frankenfeld jeden Zuschauer Rekord…

Es war aber auch die Zeit, in der der kleine Zepp den Rockpalast lieben lernte, Mal Soundocks Hitparade verschlang, Manfred Saxauer beneidete und plötzlich ZACK 1980 mir nix dir nix, lag die erste Saints and Damneds »machine gun etiquette« auf dem Teller. Aber langsam, vorher gab es im Hause Oberpichler viel Freddy, »Fährt ein weißes Schiff nach Hongkong« war so bis zu meinem 9 Lebensjahr der Überhit – oder auch »Heißer Sand« (Mina?) und natürlich alles von Alexandra. Irgendwie schwermütig, hm. Aber, da war parallel immer diese Lebensfreude und so war Elvis die logische Weiterentwicklung. Meine erste eigene Platte war vom King: »Elvis sings hits from his movies« – wow! Und die zweite und die dritte dann auch. Es folgten Jerry Lee Lewis, Chuck Berry, Buddy Holly und Little Richard. Ich war so ca. 10 bis 12, man schrieb 1977/79 und ich hatte in der Tat keine Angst vorm Rock`n`Roll. Ich kannte aber auch keinen, der diese Leidenschaft mit mir teilte, die Klassenprimaner (jetzt hätte ich fast Klassenprimaten geschrieben) standen da eher auf Village People und Smokie, die Visionäre selbstverständlich auf Mike Oldfield. Mein zeitgemäßes Engagement zog mich eher in Richtung Bay City Rollers, Slade und natürlich Sweet (love me light my fire – burn on the flame). Dann verbrachte ich ein paar Wochen bei meinem Cousin Ralf, der der größte Kiss-Fan von Essen war und ich merkte: sone Gitarre hat schon was. Ein anderer Cousin von mir stand auf Thin Lizzy und die fand ich noch besser! Gitarre, heiß, heiß! Dann erinnere ich mich an eine Fahrt ins Schullandheim und ich hatte mich da in ein Mädel verguckt und die hing die ganze Zeit an sonem Specknacken, weil der auf ner Klampfe Marke Kirchentag etwas von Simon & Garfunkel spielen konnte. Ich war sauer, verliebte mich in Beatles, Stones und Who und wollte eine Gitarre. Die gabs dann auch zu Weihnachten und die hatte bestimmt 40 Mark gekostet. Was ein Knüppel! Ich stellte das Teil erst einmal in die Ecke. Ca. ein halbes Jahr später kam der Kollege Boiler mit ner Jimi Hendrix Platte um die Ecke, ich war 13 und mein Leben veränderte sich total. Das wollte ich auch können! Fortan gab ich jede arme Mark für Platten und Musikbücher aus und spielte täglich mindestens 4 Stunden Gitarre – ohne Lehrer, ohne Noten, einfach so nach Gehör mit Hilfe einiger Musikbücher. Etwa zu der Zeit machte ich auch öfter mal was mit dem Tom Tonk zusammen und Platten hören sollte uns die ganzen 80er kosten. Ich entdeckte mit dem Eisenbernd die Clash, pogte zu »White Riot« ein Waschbecken von der Waschraumwand und kotzte mir zu »Midnight Rambler« (Stones)das erste mal die Seele aus dem Leib. Hey, wir waren zu diesem Zeitpunkt so 14/15 und dachten uns gehört die Welt. 82 war ich dann das erste mal im Daddy und lernte irgendwie direkt Willi Wucher kennen, der damals echt Furcht einflößend aussah – aber, wir hatten nie groß was miteinander zu tun. Ich gründete montags meine erste Band: Ten Beers After und hatte freitags drauf das erste Konzert.

Mittlerweile war 1983 und ich spielte Zeugs von Dr. Feelgood, Golden Earring und Kinks. Bis auf einige Platten, die ich besaß, hatte das ja alles noch nix mit Punk zu tun. Aber, mit dem was so landläufig unter Punk verstanden wird, habe ich heute noch nix zu tun. Ich hatte nie grüne Haare und auch kein großes A auf dem Rücken meiner Lederjacke. In besetzten Häusern war ich nur, wenn es da Bier für lau gab und Ratten kamen mir auch nicht in den Kragen. Was sollte also Punk sein an diesem Ganzen? Well – wie Al Perry jetzt sagen würde, vielleicht war und ist nur diese Eigenwilligkeit Punk. Die ganzen Jahre, in denen ich mit Tom Tonk durch die Gegend geschlurft bin, war Musik für uns das absolut wichtigste und unser Geschmack war jenseits dessen, was auch nur halbwegs angesagt war, zumindest zu der Zeit, und so finden sich auch heute noch Platten der Damned (vielleicht die beste Punkband ever)neben Johnny Cash, Nine Days Wonder, Kinks, Who, Alice Cooper, Captain Beefheart, Slade, Steve Earle, Thin Lizzy, Saints, Elvis, Ramones, Blondie, Beach Boys und Schließmuskel (die beste Deutschpunkband ever – Schlaffke, mein ich ehrlich) und und und. Authentisch muss es sein! Darauf kommt es an.

Kleine Blende in einen Text, den ich vor einiger Zeit mal geschrieben habe, der aber bis dato noch nicht zu lesen war:
Auf der Leinwand wurde irgend so ein 90er Jahre Businessfilm gezeigt. Ich hatte schon drei kleine Flaschen Rotwein getrunken und las gerade die Bio von Ian Curtis. Ein Buch seiner Witwe Deborah Curtis. Ein deprimierendes Buch! Irgendwie drängte sich mir beim lesen die Farbe Grau auf. Ein Grau, wie es in Novembertagen über Duisburg zu finden ist. Ich wurde zurückversetzt in eine Zeit, als ich mich mit Schulzi und Michael auf dem Spielplatz hinter dem Mehrfamilienhaus traf, in dem die beiden wohnten. Schulzi wohnte bei seinen Großeltern, da die Eltern mit seinem Zwillingsbruder genug belastet waren – kein Scherz. Und Micha wohnte da mit seiner Mutter, die irgendwann den Vater zum Ganzen aus der Bude geschmissen hatte – zuviel Langeweile, zuviel Schnaps, zuviel Schläge. Es war die Zeit zwischen 14 und 17. Die Zeit als wir die Undertones liebten und uns auf besagtem Spielplatz trafen. Wir trafen uns häufig dort um zu trinken und zu kiffen. 14 ist kein gutes Alter um zu trinken und zu kiffen. Wir tranken täglich. Schulzi bekam immer Geld von seinem Opa, der es vielleicht nicht ertragen konnte ihm kein Vater zu sein. Mit einem 5er war man damals gut dabei: 10 Dosen Bier und eine Plastiktüte oder 2 Liter Rotwein oder 2 1/2 Liter Lambrusco und ne Billigtüte Chips. Wir tranken oft Lambrusco und entwickelten eine Meisterschaft im Halten der Flaschen. Die Flaschen waren immerhin aus Glas, das unterschied uns von den richtigen Pennern, die aus Kanistern soffen. An der Glasflasche war so ein kleiner Griff und die Kunst bestand nun darin, die Flasche mit dem Daumen im Griff über das Handgelenk zu balancieren und – ohne mit den Lippen die Flasche zu berühren – zu trinken. Insgesamt verbrachten wir wohl einige Wochen damit diese Technik zu lernen. Komischerweise ist unser Zustand nach diesen Gelagen nie so richtig aufgefallen. O.K., ich hatte zwei mal mein Bett voll gekotzt. Aber, das war vergleichsweise wenig, gemessen an den Litern. Unglaublich eigentlich, wir waren wirklich jung, hatten diesen grauen Himmel über uns und besoffen uns auf einem Kinderspielplatz, der umrandet war von Mehrfamilienplattenbauten. Aber, wir hatten Stil. Es wäre nie vorgekommen, einfach nur zu saufen. Nein, wir hörten Musik. Der kleinste gemeinsame Nenner war immer Simple Minds »promisse you no miracle« . Ich habe die Band nie sonderlich gemocht, aber das war ein Song, der diese kalt graue Stimmung unterstrich. Noch heute, wenn ich das mal höre, taucht der Spielplatz vor meinen Augen auf und der Himmel – ja – ist grau. Well, manchmal holt einen die Zeit ungewollt ein. Wir können unseren Werdegang nicht immer vertuschen und dies war phasenweise meiner. Wir waren damals vielleicht nah dran abzustumpfen und zu versacken. Irgendwie wäre uns das aber einfach zu doof gewesen. Wir interessierten uns schließlich für Musik. Das hielt uns am leben. Die Undertones, die Damned, ja auch irgendwelche Bluesbands und Ashra Temple. Es war so einfach unter zu gehen, ein Wunder, daß wir das nicht sind. Einfach nur untergegangen sind. Wie einige aus unserem Bekanntenkreis. Es war vielleicht der Trotz gegen das Grau. Das Grau des Himmels. Das Grau in den Gesichtern, die uns umgaben. Kann man dem Buch glauben, war Ian Curtis eindeutig krank, aber “Love will tear us apart” ist immer noch ein großer Song.

O.K., genug geheult. 1986 traf ich den Foofoo und der stand ja nun total auf Punk. Er hatte dieses ganze Oi-Zeugs der ersten Stunde und Sham 69, SLF, 999 etc. sehr UK lastig halt. Mit Foofoo sah ich großartige Gigs in den folgenden fast 15 Jahren, wir waren auf den ersten 4 Holydays in the sun, tauschten Platten, machten Tapesampler und erledigten so manche Palette. Leider hat man sich auch in den letzten beiden Jahren aus den Augen verloren. Jeder hat halt seine eigene Familie…Wäre schön, wenn man sich noch einmal sieht, bevor das Dosenpfand eingeführt wird.

Man sieht, diese Geschichte hat auch viel mit Verlust zu tun. Ich meine jetzt nicht nur den Verlust der eigenen Muttersprache, ich meine den Verlust von vielen lieb gewonnenen Bekannten, den Verlust von Euphorie, den Verlust von Kick, na ja, und leider auch den Verlust von Gehirnzellen. Anyway, 1988 gründete ich mit Tom Jimmy Keith & his Shocky Horros und was als unser Versuch gedacht war ein bisschen Rock`n`Roll Party unters Volk zu bringen, wurde zügig in das Kapitel Famous Punkrock from Duisburg übernommen. Neben den Zakonas und den Richies hielten die Horrors die ein oder andere Bierfahne in den Wind. Man spielte etliche Shows mit Jeff Dahl, Lokalmatadore, Lazy Cowgirls, Schließmuskel, Herman Brood, Pleasure Fuckers, La Cry etc und dann, nach einem ordentlichen Gig im Wild at heart 1998 war erst mal Schluss. Zu viel Generve und Gezänke im Hause Horror, zu wenig Identifikation mit der Band. Ich verstärkte meine musikalischen Ausflüge mit Schlaffke und legte mit Schlaffke und Zepp sowie den daraus resultierenden Kinskis genialistisches Liedgut vor, leider völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratenes. Hätte sich Punkrock nur ein bisschen entwickelt…

Ab 2002 proben die Horrors doch tatsächlich wieder! Und zwar mit zwei neuen Members an Bord: Franky und Kai (of Colvins fame). Damit wird ab 2003 den Jungspunden gezeigt, wo Bartelt den Most holt. Macht euch gefasst auf Rock`n`Roll wo der Eddy mit seinen getuneten Hotrods zum Dr. Feelgood auf Speed gurkt um ein Lazy Cowgirl von hinten…

Und jetzt weiß immer noch keiner, was der olle Zepp mit Punk an der Mütze hat. Ganz ehrlich, ich auch nicht. Aber, bleibt in Bewegung, seid echt und lotet euch aus, “seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt” (Günther Eich, Träume; wenn ich irgendetwas zu lesen empfehlen sollte, dann das!).

Ach so, Leinemann war Anfang der 70er eine ganz respektable Skifflegroup, wen es interessiert.

Die 10 Gebote des Punkrock:

1. The Saints – Eternally Yours
2. The Damned – Black Album
3. The Clash – 1st
4. The Dead Boys – Young, loud and snotty
5. The Ramones – Rocket to Russia
6. Jeff Dahl – Leather Frankenstein
7. Iggy and the Stooges – Raw Power
8. Rick Agnew – All by myself.
9. The Dickies – Idjit Servants
10 Wipers – Over the edge
11 Vergiss den ganzen Quatsch von mir und mach dein eigenes Ding!

Cheers ZEPP

BYO-Bowling in Las Vegas (aus Plastic Bomb 2/2001)

Das diesjährige BYO Bowlingtournier sollte um eine Attraktion größer sein: Die Plastic Bomber wollten ans Holz! So rafften sich Swen, Vasko, Matze und meine Wenigkeit am 14. Februar im Jahre des Herrn 2001 auf, um die Amis das Fürchten zu lehren. Irgendwann saßen wir dann auch in diesem Flieger, der viel zu spät starten sollte. Eine Tür war offensichtlich undicht, hätte ich mit meinem Schweizer Messer helfen sollen? Auf der Leinwand wurde irgend so ein 90er Jahre Businessfilm gezeigt. Ich hatte schon drei kleine Flaschen Rotwein getrunken und las gerade die Bio von Ian Curtis. Ein Buch seiner Witwe Deborah Curtis. Ein deprimierendes Buch! Irgendwie drängte sich mir beim lesen die Farbe Grau auf. Ein Grau, wie es in Novembertagen über Duisburg zu finden ist. Ich wurde zurückversetzt in eine Zeit, als ich mich mit Schulzi und Michael auf dem Spielplatz hinter dem Mehrfamilienhaus traf, in dem die beiden wohnten. Schulzi wohnte bei seinen Großeltern, da die Eltern mit seinem Zwillingsbruder genug belastet waren – kein Scherz. Und Micha wohnte da mit seiner Mutter, die irgendwann den Vater zum Ganzen aus der Bude geschmissen hatte – zuviel Langeweile, zuviel Schnaps, zuviel Schläge. Es war die Zeit zwischen 14 und 17. Die Zeit als wir die Undertones liebten und uns auf besagtem Spielplatz trafen. Wir trafen uns häufig dort um zu trinken und zu kiffen. 14 ist kein gutes Alter um zu trinken und zu kiffen. Wir tranken täglich. Schulzi bekam immer Geld von seinem Opa, der es vielleicht nicht ertragen konnte ihm kein Vater zu sein. Mit einem 5er war man damals gut dabei: 10 Dosen Bier und eine Plastiktüte oder 2 Liter Rotwein oder 21/2 Liter Lambrusco und ne Billigtüte Chips. Wir tranken oft Lambrusco und entwickelten eine Meisterschaft im Halten der Flaschen. Die Flaschen waren immerhin aus Glas, das unterschied uns von den richtigen Pennern, die aus Kanistern soffen. An der Glasflasche war so ein kleiner Griff und die Kunst bestand nun darin, die Flasche mit dem Daumen im Griff über das Handgelenk zu balancieren und – ohne mit den Lippen die Flasche zu berühren – zu trinken. Insgesamt verbrachten wir wohl einige Wochen damit diese Technik zu lernen. Komischerweise ist unser Zustand nach diesen Gelagen nie so richtig aufgefallen. O.K., ich hatte zwei mal mein Bett vollgekotzt. Aber, das war vergleichsweise wenig, gemessen an den Litern. Unglaublich eigentlich, wir waren wirklich jung, hatten diesen grauen Himmel über uns und besoffen uns auf einem Kinderspielplatz, der umrandet war von Mehrfamilienplattenbauten. Aber, wir hatten Stil. Es wäre nie vorgekommen, einfach nur zu saufen. Nein, wir hörten Musik. Der kleinste gemeinsame Nenner war immer von Simple Minds“ promisse you no miracle“ . Ein Song, der diese kalt graue Stimmung unterstrich. Noch heute, wenn ich das mal höre, taucht der Spielplatz vor meinen Augen auf und der Himmel – ja – ist grau. Was hat das nun mit Ian Curtis zu schaffen? Und was mit unserem Trip nach Las Vegas? Well, manchmal holt einen die Zeit ungewollt ein. Wir können unseren Werdegang nicht immer vertuschen und dies war phasenweise meiner. Wir waren damals vielleicht nah dran abzustumpfen und zu versacken. Irgendwie wäre uns das aber einfach zu doof gewesen. Wir interessierten uns schließlich für Musik. Das hielt uns am leben. Die Undertones, die Damned, ja auch irgendwelche Bluesbands und Ashra Temple. Es war so einfach unter zu gehen, ein Wunder, daß wir das nicht sind. Einfach nur untergegangen sind. Wie einige aus unserem Bekanntenkreis. Es war vielleicht der Trotz gegen das Grau. Das Grau des Himmels. Das Grau in den Gesichtern, die uns umgaben. Kann man dem Buch glauben, war Ian Curtis eindeutig krank, aber „Love will tear us apart“ ist immer noch ein großer Song.

Las Vegas! Eldorado für Spieler, Paradies für Rentner. Ein in die Wüste gelogener Haufen Glammer, Kitsch und bunter Leuchten. Ich war vorher noch nie in Las Vegas und die Filme, die mir durch den Kopf gingen, wurden alle erkannt. Diese Stadt ist so sehr Maske und Staffage…Da war Johnny Depp in Fear and loathin, da war Nicolas Cage in leaving Las Vegas, da war aber auch Red Rock und Elvis. Der späte Elvis ist vielleicht die beste Identifikationsfigur für las Vegas. Pomadiger Glitzer und Glammer, das breite Grinsen – Kings of the world. Oh really? Awsome! Die Oberflächlichkeit des Daseins gebündelt im Klingen und Blinken einarmiger Banditen. Die Sinnlosigkeit der Existenz visualisiert im Chip setzen der Gambler, die Flüchtigkeit des Glücks gemessen in immer neuen Sensationen, Preisen, versprochenen Gewinnen. All das ist Las Vegas, Fassade, Maske, Schein, Versprechen, die nicht gehalten werden. Jetzt sagt man dem typischen Ami ja eh schon eine gewisse Oberflächlichkeit gepaart mit aufgesetzter Freundlichkeit und Weltunkenntnis nach. Ein Kitsch verliebtes, größenwahnsinniges, dem Tiefgang fernes Wesen soll er sein. Aber USA ist auch the land of the brave and free. Und Las Vegas ist alles das mal hundert, mitten in der Wüste, abhängig von ein paar Litern Wasser. Eine Erfindung von Howard Hughs, dem alten Junkie, und der Maffie. Nacht Mattes.

Für Chronisten: The Punk Rock Bowling Weekend fand am 17. und 18. Februar im Hotel/Casino Goldcoast statt. 72 Teams auf 72 Bahnen nebeneinander schoben keine ruhige Kugel. Das hatte seine Art und es war eine Freude mit den Bullenhemden des Plastic Bomb Teams durch die Menge zu würfeln. Dont talk to Cops. Dabei lief Punkrock, meist englischer Prägung. Wir waren das beste europäische Team. Unsere Kemenate im Goldcoast war gut, aber nicht sehr gut. Das Frühstück war reichlich und fett. Das Goldcoast selbst war aus einer anderen Zeit, einer Zeit, als die Beatles gerade Amerika eroberten. Hier stand die Zeit still und zwar 24 Stunden am Tag. Wir sahen NOFX in großer Form, Lagwaggon, Retox, The Dimwits, Pinhead Circus und DLP, RKL leider nicht. Red Rock sollte man sehen, Hoover Staudam kann, Sushi muß. Das Beste: Ich hab zwei Joe Ely Platten gefunden, doch dazu mehr im Country Corner.

Wir sehen uns, ZEPP

Holidays in the sun 1999 – oder life won`t wait! (aus 3rd Generation Nation, September 1999)

Ein kleiner Schwank vom Oberpichler Zepp.

Seit nunmehr vier Jahren gehts regelmäßig nach England um dortens den meist ollen Kamellen zu lauschen. War das erste Jahr noch voll im »Oldie-Trend«, damals in Blackpool, werden heuer die Grundaktiven beziehungsweise wiederaktivierten Alten gebooked. Well, würde Al jetzt sagen, thats the way it goes. Wie auch immer, Foofoo`n me mußten auch dabei sein und der gelbe Flitzer wurde erneut auf die Straße, die ja bekanntlich die Welt bedeutet, getragen. Mitgetragen wurde auch – in weiser Voraussicht – eine Wagenladung voll des guten Gerstensaftes und diverse Nudelvariationen. Das hält fit und ernährt seinen Mann durchaus. So gerüstet ankamen wir am 4. Juni des morgens in Morecambe. Pfiffig wie Bolle sind die schlank gewachsenen Foofoos auch direkt zum Dome um sich einen der ehrenwerten Parkplätze zu sichern, kannte man diese Technik doch bereits aus den Jahren zuvor. Doch welch seltsame Ruhe umspielte unsere Ohren, die grünen? Da wurd doch tatsächlich der Spielort in die Empire Arena verlegt, eine Riesendisco mit ca. 1.000 Plätzen mehr…Wird mit Punk etwa Geld verdient? Ich glaube ja nicht, schließlich zahlt man gern die 50 Pfund und das Bier in der Halle ging ja wohl auch zum Selbstkostenpreis über die Theke, gelle?

Die erste große Enttäuschung gabs leider schon vor der Fahrt: die angekündigten Misfits hatten abgesagt, gähn, daß dann aber auch die Adicts nicht spielen sollten sorgte zumindest bei den Foofoos für Durchfall. Scheiß auf Frühstück, fangen wir halt an zu arbeiten, wo ist mein Hammer – sprach Foofoo 1 und fiel trotz entzogener Fahrerlaubnis vom Fahrersitz. Der Ort des Geschehens mußte besichtigt werden und siehe da, viele bunte Menschen belagerten bereits die Promenade und kein Bürger, och so normahl, störte sich irgendwie dran. Ein Novum, sicherlich! Großes Hallo dann auf diversen Bürgersteigen, die Rheinhauser hatten tatsächlich den Linksverkehr, dank Helmuts großer Kunst gemeistert. Die Schweizer Fraktion um Soli war auch wieder zugegen, diverse Kurzhaarvölker aus den NB-Ländern und sogar die überall seienden Wupperthaler trafen sich zu einem kurzweiligen Stelldichein – wo waren unsere liebgewonnenen Japse? Vor der Halle wurd erstmal mit Jan und Pitter (sorry»Hans«) angestoßen und diverse Dönekes aus Punkermanns Leben wärend der letzten 12 Monate berichtet. Darüber wurden glatt die ersten Bands verpaßt und ich kam erst bei den UK SUBS in die Halle, die dann aber auch direkt in die Beine spielten. Die folgenden Slaughter and the dogs konnte ich mir nur bedingt geben, das hohlwangige Gepose der Herren Rossi und Barret ging mir irgendwie auf`n Sack, obwohl sie ihren Stiefel sehr ordentlich runter spielten – Status Quo wär mir aber lieber gewesen!! Den Abschluß des ersten Abends bildeten die großen Damned. Dafür hatte ich mir meine letzten Kraftreserven aufgehoben, ich freute mich auf meine alten Helden und summte die ganze Zeit »Blackout«…Es sollte leider wieder nicht das großartigste Konzert werden. Mr. Vanian war in ein Chirurgenkostüm gehüllt, mit schwarzen Lederhandschuhen und Silberlocke, schlicht great! Frau Patty M. am Bass – immer eine Augenweide, ein neuer Drummer und der verrückte Vogel Monty an der Orgel – gute Voraussetzungen eigentlich, zumal ja noch der geniale Captain an der Gitarre wirken wollte. Doch da lag, wie schon bei manchen Gigs, der Sensible im Pfeffer. Der kam nämlich mit seinem dämlichen Gitarrenrack nicht zurecht (sollte man sowieso sprengen, die Dinger), hatte meist einen Güllesound und fiel hin und wieder sogar ganz aus. Den eilig bereitgestellten Marshall wollte er irgendwie nicht anrühren und so quälte er sich und das Volk mit Kacktarren. Schade, in den Momenten wo`s klang, konnte man erahnen wie groß diese Band wirklich ist. Schade, das hätte der größte Gig werden können.

Der nächste morgen erwartete die beiden Foofoos wieder mit einem gekonnten Sprung ins kühle Nass. Seit Jahren Kult und absolute Frühschichtpflicht: Bergseeplantschen! Diesmal hatten die Tropfen wohl nur drei Grad plus – oder so – nach dem Plantschen gabs nämlich ein eues Spiel zu spielen: Zapfensuchen! Das frühe Mittagsessen, Dose Bier und Spaghetti, kam wie immer gut und wurde sogar durch die Zugabe von Tikki Massalla verfeinert. Tikki Massalla und Lars Jukki, wie sich die Foofoos fürderhin in geheimer Mission nannten, kamen alsbald und noch rechtzeitig zum US Bombs Gig zur Halle zurück. War das ein Spaß, der gute Duane war schon so jenseits der Altersgrenze, daß er eigentlich keine Bühnenerlaubnis mehr hätte bekommen dürfen…Die Bomben rockten aber gut. Condemned 84 schenkten wir uns dann ganz selbstlos, um pünktlich für die Sloppy Seconds zurück zu sein. Wichtig wurde Wampe warmgewabert! Soviel Fett auf einer Bühne, tze tze, wer will da noch die Weathergirls nackert? Auch ein großer Spaß der völlig ästhetischen Sorte. Erinnerte mich irgendwie an Roman B`s Lieblingslektüre: Speckige Fetties schwitzen um die Wette. 999, Vice Squad und One Way System gingen mir am Schöppli vorbei und die League still hates people. Dann kamen die Dickies und alles wurd wieder gut! Für mich klar die Gewinner des Kurztrips, auch wenn man mittlerweile sogar die Ansagen auswendig kennt. Doch live bläst diese Truppe immer noch alles von der Bühne – ich hab bestimmt drei Kilo abgenommen. Gaaanz groß würde Kollege Schlaffke jetzt sagen, oder machen. Den Abschluß des Samstags machten dann die Sham und das war in der Tat shame, so ein Dreck aber auch.

Sonntags machten sich dann Tikki Massalla und Lars Jukki auf die Suche nach einem Bergsee, der noch von keinem Nacktarsch geknutscht wurde. Dieses Unterfangen sollte sich als fatal erweisen, zumindest für Tikki, der viel Massalla links und rechts vom Postmobil »je `n halben Liter« unter den Armen verstreute. Geplantscht wurde wieder im Windermare und hier am 6. Juni 1999 (Punkrock-Chronisten aufgemerkt) geschah das unvorstellbare: Des Zeppens alte Punkrockjeans (bei bloßem Hinblick als solche nicht unbedingt zu erkennen) wurde mit allen Ehren der See bestattet. Zu letzter Ruhe kam nicht nur eine Hose der Webkunst bester Art, sondern ein Zeitzeuge ersten Ranges. Ich sag nur ca. 6 x Ramones, 2 x USA, 4 x England, 10 x Dickies und so ca. 200 diverseste Gigs wurden in diesen Beinkleidern gestanden. Diese Hose war mehr als eine Hose! Sie war ein Freund, Schutz vor Fliegenbiss und Taubenschiss, Ofen beim pofen und manchmal ofen…Sie ging hin und Lars sowie Tikki hatten Tränen in den Augen. Sie wurde zur Ruhe gebettet im Gedenken an Diana, Prinzessin des Hosenbundordens, schnief, bitte ein Handtuch.

Scheiß auf Frühstück, wir sahen noch Snap Her (oder?), Oxymoron (der Basser ist definitiv ein Weiberheld), Murphy`s Law (ein guter Song, drei schlechte), Peter (der besser war als letztes Jahr), Dropkick Murphy`s (DIE Enttäuschung) und last not least The Business. Die wiederum brachten den ganzen Saal zum kochen und holten zum Abschluß das ganze Volk auf die Bühne – ein Anblick, den ich nie vergessen werde (hatte auch wieder keiner `ne Kamera dabei). Der absolute Publikumsliebling – keine Frage. Micky Fitz hatte das Punkerherz dermaßen in den Händen… schon erstaunlich dieser Dreikäsehoch.

Am nächsten Tag hieß es dann back home und das Murmeltier grüßt täglich wieder.

Was bleibt? Dem R.S. ralle hätte es wohl nicht gefalle. So `nen knappen Dusi muß man einfach rechnen. Viel Mittelmaß und ein paar richtige Knaller. Trotzdem zehrt man wieder ein ganzes Jahr davon, wetten!

Zepp goes USA for the third round – oder lustige Musikanten im Tal der blasenden Praktikanten. (aus Plastic Bomb 4/1999)

O.K. liebes Tourtagebuch, heut ist der 20.7.99 und ich versuch nun endlich mal meine Gedanken und ersten Eindrücke zu ordnen. Nachdem Captain Kirk uns (Swen Bock und mich halt) 1a zum A-dam Airport gebracht hatte, wurden wir mal kurz auf die Warteschleife geschoben – die 4 Stunden pffft. Im Flieger dann die gewohnte Enge der normalen Klasse…beim nächsten mal gibt’s nur noch Businessclass, soviel Punkrock muß sein! In L.A. angekommen, checkten wir kurz einen Ford Mustang aus und fuhren zu Andi Beltramo, die erst noch einen Patienten „verarzten“ mußte…Andi ist Frau Snap Her, für alle Unwissenden, und verdient sich ihr kleines Geld mit Behandlungen der besonderen Sorte. So sieht ihre Wohnung denn auch aus, ein Dominaschuppen halt. Als der Geschlagene nun endlich abzog, sind Swen und ich zu Andi rein, die auch noch zwei Spaßvögel eingeladen hatte. Nach dem obligaten großen Hallo, genehmigten wir uns die ganze Nacht über seltsame Drinks (außer Swen natürlich, der im weiteren nur noch Mr. Clean genannt wird), sahen kuriose Musikvideos und laberten Stuss. Man sieht: Ein furioser Auftakt, ich schlief auf dem Boden.

Neuer Tag, neues Glück. Andi lotste uns durch die interessanten Ecken von L.A. und erwies sich dabei als hervorragende Reisegruppenchefin. Wir kauften Shirts und Platten, lernten die halbe L.A. Unterwelt kennen und haben prima Mexicanofood genascht. Abends gings zur ersten Show: Kevin K. mit Toni und Ricky Rat von den Trash Brats. Das war dann ein sehr guter Abgang, zumal die Kollegen Ricky und Toni ordentlich Schmackes machten (wie jetzt ja keiner erwartet hatte). Kevin himself ist so eine Gestalt, der man erst mal gar nicht zutraut, daß sie dermaßen abrocken kann. Klein aber oho sagte man wohl früher. Gute Laune stand folglich in unseren Gesichtern. Die sollte uns bei den Streetwalking Cheetahs dann leider vergehen! Gut abgesicherte upperclass kids machen auf wilde Straßenjungs mit Poser-Iggy-Show – ist bestimmt ein Fall für die Joachims vom Ox. Hatten zwar ein paar gute Songs, gingen mir aber irgendwie total auf den Sack, zumal der Sänger definitiv einen Schuß hat. Wo Bartelt allerdings den Most holt, zeigte uns der gute alte Jeff Dahl nach den Trümmerbuben. Am Bass präsentierte er uns diesmal Heather von den Creamers, an den Drums Sowie So von SWA. Da war für Freude gesorgt: Jeff rockte knochentrocken durch sein aktuelles Programm, das wie immer aus einer guten Mischung Alt und Neu bestand. Groß isser, der Kleine! Leider mußte er aber auch früher Schluß machen, da die Straßenköter eine 3/4 Stunde überzogen hatten und in L.A. pünktlich Bier und Strom abgestellt werden. Schade, es hätte noch die ein oder andere Guestappearance gegeben…Zurück zu Andi, paar drinks und Boden.

Samstag gings nochmal durch Hollywood, noch mehr Platten kaufen, unter anderem die Entdeckung des Jahres: El Duce. Dieser Typ hat G.G. Allin erfunden! Er war der Drummer bei den Mentors, der wohl übelsten Metalkombo der Welt, spezialisierte sich aber zunehmend auf Heavysaufen und diverse Analpraktiken. Vor seinem Tod in `97 nahm er noch sein Testament in Form einer Playbackplatte auf – äußerst fragwürdiges Kulturgut. Wie auch immer, wir sind dann noch mit Andis Mutter in so ein all you can eat japanese rizzorazzo gegangen und das war auch gut so. Ich glaub, ich hab mein Lebtag noch nicht soviel Fisch gegessen (rohen zumindest). Obervollgefressen legten wir uns danch bei Andi ab, da wir die Nacht durchfahren wollten, zu Al Perry hin, nach Tucson Arizona.

So ca. 2 Uhr in der früh sind Dr. Clean und ich dann auf nach AZ. Neben diversen Eindrücken der besonderen Art – Tanken, Pissen, Sonnenaufgang – ankamen wir vor den Toren Tucsons gut getuned und müd. Nach 10 stündiger Fahrt kein Wunder dachten wir uns, erkundeten das umliegende Feld und landeten erstmal auf der Matratz im Zimmer 4 des Hotel Congress. Abends wollten wir natürlich fit sein für die nächste Show. On the Bill: Al Perry, Troy Olsen Band und Dale Watson. Hier gings dann auch definitiv strange zur Sache. Das ganze Volk war so richtig Denverclan mäßig mit Cowboyhüten und Stiefel fein ausgestattet. Voll Country Alter – und ich mit Link Wray Shirt und Creeps…Dr. Clean war aber auch nicht schlecht, Hawaihemd und Shorts. Das roch nach eins auf die Fresse! Die Mucke war dann recht ordentlicher Country, es wurd Bier getrunken, gescherbelt und gelacht. Der Abend endete ohne Schlägerei! Als wir dann ins Hotel Congress zurück kamen, war der ganze Gang mit pubertierenden Amischnepfen belegt – Gottogott.

Der folgende Montag wurde in diversen Plattenläden verbracht. PDQS, Bookmans, Toxic Ranch, viel gekauft, viel getauscht. Dann so mehr einen auf lazy gemacht, hier was gegessen, da was getrunken und den Abend in einer Sportler-TV-Kneipe mit Baseball und Bud verbracht. Nach einem mir alle Gulden raubendem Gespräch mit the one and only Capitano Kirk, bin ich dann zart entschlummert, in meinem Bett, ich schwöre: Nur den pfurzen Arsch von Dr. Cleanfut vor mir – wow.

6 Uhr in der Frühe, der Wecker reißt uns aus den Federn und auf ins Tucson Desert Museum. Hiermit sollte der Bildungspart des Trips abgespult werden! Wir sahen komisache Tiere und Pflanzen, lungerten in seltsamen Tropfsteinhöhlen und sind nur knapp einem Sonnenstich entgangen. Gleich, liebes Tourtagebuch, werden wir mit Al Perry eine Radiosendung über den Äther jagen, womit wir den Saudis mal richtig einen einschenken werden. Melde mich die Tage, 20.7.99 18.30.

O.K., jetzt haben wir den 25.7., ca. 11 Uhr und ich bin eben neben Knox von den Vibrators aufgewacht, nachdem ich gestern Abend mit Pam Anderson Texas Terri gesehen habe, in der Bar De Luxe, in Hollywood – Joke? No, just true! Aber der Reihe nach: Die Radioshow mit Al war natürlich ein großer Klassiker. Wir spielten viel seltsame schwedische Schlagerchanteusen, Schlaffke & Zepp (big in US!), Horrors, Heino und Lee Hazlewood. Mitten in der Sendung rief sone Tuss an, die mir einen Musikwunsch aufs Auge drücken wollte. Dabei stellte sich heraus, daß ihr Mann früher Gitarrist bei Naked Prey war, er sprach mit mir und wir erinnerten uns an unser Treffen von vor 10 Jahren, welches wir damals im Rolling Stone in Dinslaken hatten. Will sagen, die Welt ist ein Dorf.

Anderntags sind wir dann von Tucson nach Phoenix gefahren um meinen alten Freund Jeff Dahl zu besuchen. Dortens gabs erstmal wieder großes Moin, moin und wir verbrachten den Abend mit Schwänken aus der Jugend.

Freitags kams dafür ganz schön heftig. Nach einem kleinen Frühstücks-Burito im Hause Dahl sind Dr. Clean und ich erstmal shoppen gefahren, um dann in Cooperstown zu landen. Alice Cooper hat sich dort son Denkmal gesetzt, bischen HardRockCafe oder Planet Hollywood, nur halt mit Gitarren und gesigneten Postern von Megadeath, the Who, Jeff Beck etc. an den Wänden. Der Spaß nahm seinen Lauf; nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben hatten, kam plötzlich der Schichtchef von dem Laden an unseren Tisch und meinte: „Right boys, we figured it out! You are Rammstein!“ Uns fiel fast die Tomate aus dem Gesicht. Da hatte man wohl unseren deutschen Akzent ausgemacht und direkt darauf geschlossen, daß wir die Silberheinis sein müssen, die ihrerseits am Abend zuvor in Phoenix auf dem Ozzfest spielten. Hätte er gefragt ob ich Udo Lindenberg bin, hätte ich ja gesagt, aber so…Der Typ zog dann tatsächlich ein bisschen frustriert ab und wir sind nicht an die wall of guests gekommen – too bad. Von Cooperstown aus fuhren wir zum Social Chaos Festival, was im Grunde sone Hollidays in the Sun Veranstaltung auf Tour bedeutete. Es spielten zum Tanze TSOL in Originalbesetzung, Chelsea, Poison Idea (zumindest laut Plakat), DOA, Gang Green etc. Als Plastic Bomber kamen wir selbstverständlich für Lau rein und gerade beim Eintritt schallten uns die L.E.S.Stitches entgegen. Ein willkommener Opener, wie ich hier mal bemerken möchte, großer Punkrock groß dargeboten. Es folgten die Vibrators, die in USA mit anderem Basser tourten und unglaublich frisch daher kamen. Unterdessen talkte ich mit Charlie Harper und Sloppy`s B.A. Die Sloppy Seconds folgten den Vibrators auf die Bühne und brachten den Saal erstmalig richtig zum pogen. Dabei ist mir aufgefallen, wie aggressiv der Pogo hier abgeht, von up and down natürlich keine Spur. Bei One Way System sind wir dann gegangen, da Poison Idea und Gang Green nicht spielen sollten. Ich hätte zwar gerne noch TSOL gesehen aber dafür über 7 Stunden warten? Dann lieber zurück zum Jeff, im Monsumregen fast von der Strasse gespült werden und nachts noch zu einer Show der Beat Angels fahren! Die Beat Angels spielten in Rob Halfords Laden, damit Heavy Metal Schuppen, damit schlechte Vorbands. Die Angels selber waren dann ersehnte große Klasse, Powerpop der schwunghaften Sorte und zum Schluss noch ein Dictators Cover, Herz was willst du mehr. Samstags hatten wir dann noch ein langes Interview mit Jeff geführt, welches Ihr in einer der nächsten Plastic Bomben nachlesen könnt. After that it was up on the road again headin for L.A. In L.A. sind wir wieder bei Andi abgestiegen, die Ihrerseits in Orange County auf dem Social Chaos Festival war. Unsere Wege führten uns wieder zur Bar De Luxe. Die zweite Band des Abends, Pissantz, haben wir uns mal genauer betrachtet, da es sich bei der Sängerin um eine Kollegin von Andi handelte, die eine sehr coole Lackshow lieferte – pretty weird. Dann folgten die genialen Leaving Trains! Wer kennt nicht ihre grossen SST Alben? Falling James jedenfalls war in Höchstform – komplett in Frauenplörren des letzten Jahrhunderts gehüllt (als bekennende Transe no problem oder), kalauerte er sich durch seine letzten 12 Schaffensjahre. Bei der anschließenden Show von Kevin K dann plötzlich – wow – Pam Anderson stand neben mir! All dressed up in Lack and smiled at me! Ich glaub, sogar ihre Lippen waren blond. Nach Kevin rockte Texas Terri das Haus und diese Frau ist der weibliche Iggy! Real Raw Power! Ihre Platte haute viele nicht so vom Hocker – aber live – she really gives everthing! Nach der Show gurkten wir zurück zu Andi, wo bereits die Vibrators auf dem Boden pennten. Ich wunderte mich über gar nichts mehr, this is Hollywood man, legte mich neben Knox und pennte weg.

Tach Tagebuch, grad haben wir Freitag, den 30. 7. ca. 20 Uhr und sollten schon seit ner Stunde in der Luft hängen. Werden aller Voraussicht hingegen 5 Stunden zu spät sein – that sucks. Ich glaub Martinair is a big Bockfart! Anyway, nachdem wir Montags den Vibratoren goodbye sagten, näherte sich auch der Zeitpunkt uns von Andi zu verabschieden, nicht jedoch ohne vorher noch eine Show der Beat Angels und Samantha Smiled (Japan) zu besuchen. Thanx for everything Andi! That was really cool! Danach gings zum LAX um Neij abzuholen, den wir auch souverän sofort antrafen (glaubt kein Wort, uns fehlte die Flugnummer und wir hatten die falsche Airline – wir kamen zurecht). Dann gings los Richtung S.F. Das kann man wirklich nur empfehlen: Die alte 1 von L.A. nach S.F. runter zu gurken, ne Nacht in einem schäbigen Motel zu verbringen, am Big Sur abzuhängen, immer schön Lee Hazlewood und die Ventures im Auto-CD-Player und ganz lecker like Kerouac fühlen.

In S.F. angekommen, suchten wir vergeblich nach nem günstigen Hotel. Selbst das YMCA wollte 50$ pro Nase und Nacht. Glücklicherweise trafen wir irgendwann bei der Maximum Rock`n`Roll Redaktion ein und die gute Jaqueline sagte wir könnten auf dem Boden pennen. Sehr noble Geste das! Das MRR Büro ist son riesiges Loft mit Wohnungen für einige MRR Mitarbeiter. Besonders beeindruckt hat mich die rieseige Plattensammlung, nur Punkrock und Vinyl only – logo.

Der nächste Tag führte uns zu Fat Wreck, um mit den Leuten mal nen kleinen small talk zu halten. Diverse Promos später gings dann zu den Burschen von TKO Records. Bevor wir jedoch richtig mit denen ins Gespräch kamen, gings nach Chinatown, lustige 2,88$ Meals einpfeifen. Die TKOler versorgten uns auch reichlich mit Promos und mir fiel wieder einmal auf, wie relaxed die Leutchen hier ihr Geschäft betreiben. Das geht längst nicht so hektisch wie bei uns zu – I can tell ya! In D-land ist man da irgendwie verklemmter, besonders im Hinblick auf solche Neuerungen wie Internet und MP3 und Business – gelle Mosh. Mit den TKOlern sind wir dann abends ins Crocodile, wo eine Show mit den Ducky Boys und the Forgotten auf dem Plan stand. The Forgotten legten mit ordentlichem Oldschool Punk los, okaye Songs, ein sympathischer Kiddiasiiropunk an der Gitarre und ne arme Fackel am Gesang. Das wird in England definitiv gut ankommen! Der Lars von Rancid wurd mir kurz vorgestellt, hatte er doch die Forgotten CD produziert, die ja auf TKO…Die Duckey Boys aus Bosten gefielen mir auf Anhieb besser. Sie hatten zwar keine Song Highlights, aber die bessere Bühnenpräsenz und hinterließen insgesamt einen wesentlich tighteren (wie der D-länder in USA sagt) Eindruck. Schwer geschafft gings auf den Teppich. Der Donnerstag brachte uns Berkley, Platten bei Look Out und Shirts bei Cinder Block, wo wir auch Jeffrey Bischoff von Tilt interviewten ( siehe nächste Plastic Bombe). Danach kauften wir uns Karten für den Mike Ness Gig in Palo Alto und kurvten hinüber. Der Laden hatte so Tor 3 Größe und war randvoll gefüllt mit viel Cowboyverschnitt und Greasern, aufgetakelte Mädels bei sich führend, die alle aussahen wie Betty Page mit tattoovierten Unterarmen. Den Support machte Deke Dickerson & the Ecophonics oder so. Das war sehr cooler Country mit leichten Surf und Rockabilly Ausflügen. Da wird man in USA bestimmt noch von hören und ich ärgere mich son bisschen, daß ich mir sein Vinyl nicht eingepackt habe. Dann kam der Meisterposer und ich dachte: Sollndassein? Schlechter Sound, gepose wie bei S.D. und die Band war ne Countryrock Ausgabe von S.D. – heißt mehr gepose, schlechterer Sound und lamerer Auftritt. Da hatte ich mir unter einer Mike Ness Soloshow wirklich mehr versprochen! Die Bouncer waren mega-asi Muskelheinis, die Fotoaparate einsammelten, Rauchern den Stengel aus dem Gesicht hauten und auch sonst alles taten um nur keine Stimmung aufkommen zu lassen. Mit dem Mixer hatte ich mein eigenes Sträußlein auszutragen, als ich ihn auf den ultramiesen Sound ansprach, sagte er ich solle mich verpissen, er sei der Master of Show und folgerichtig holte er sich son Muskelheini, der den Rest der Show über bei ihm stehen mußte, damit ihn keiner mehr anquatschte. Mike machte unterdessen Witze über Heavy Metal, hatte aber einen Drummer, der selbst ganz schäbig danach klang. Bei der Zugabe „I fought the law“ kam mir dann das Kotzen: Ein Fan wollte von der PA-Box stagediven und wurde von den Bouncerwillis dermaßen von der Box geprügelt, daß sich eigentlich alle Rippen gebrochen haben mußte. Die Ness Show selbst bot leider keine positiven Überraschungen. Er spielte die Songs seiner Soloscheibe, 2 S.D. Songs, 2-3 Cover und Schüss. Als alter Fan war ich irgendwie enttäuscht. Dennoch kauften Dr. Clean und ich uns die großartige Levi`s Ness Tourjacke und sitzen jetzt hier in fuckin Oakland und warten auf unseren flight, Aber, es hätte schlimmer Kommen können, gut, daß wir coole Jacken haben.

Nachtrag: „Was hier wie die pure Armut aussieht, ist der sterbende Mittelstand“.

Grüße und stay teenage, Zepp Oberpichler

Zepp goes USA for a ride (aus 3rd Generation Nation 1997)

Liebe Leute, nun ist es ja schon wieder ein paar Tage her, daß klein Zepp im Land der rockenden Gitarren und Kakteen unterwegs war – und was soll ich groß sagen, es war gut. Getrieben von diversen privaten Unaushaltbarkeiten, folgte ich dem Ruf des Jeff »If you need a rest – come over«. Well, so bin ich denn hin zu Jeff Dahl, traf die Golden Arms, Freddy Lynxx (mal wieder), die Trash Brats, Kevin K, Al Perry, U.S. Bombs, Lazy Cowgirls und so weiter und so fort. Doch lassen wir einfach mein kleines Tourtagebuch erzählen. So wir traben…

10. November ‘97, 14.30 Uhr ab Düsseldorf, goin to go, D-dorf – Amsterdam, Amsterdam – Minneapolis, Minneapolis – Phoenix. Soweit der Plan, soweit wurds auch ohne nennenswerte Zwischenfälle umgesetzt, lediglich in Minneapolis gabs Geschecke mit dem Zoll, da man dortens groß und gut gebaute Typen, ganz in Leder, natürlich für Drugboys hält. Anyway, ich kam ganz gut voran… Eine lustige Episode gabs allerdings im Flieger von Amsterdam: Saß ich doch inmitten einer Gruppe russischer Seefahrer, auf ihrem Weg nach Portland. Der Russe neben mir verwickelte mich in ein langes Gespräch über Seefahrt, Familie, Politik und Wodka. Ich hielt mich den ganzen Flug über am Rotwein schadlos, so daß sogar die Schewardnadse in den frühen Morgenstunden des selben Tages an dem ich mittags aufbrach – wegen Zeitverschiebung Ihr Dummies – fragte, ob’s denn wirklich noch einer sein soll. Ich befand auf »Ja«, da ich mir sagte, wenn ich jetzt schon den selben Tag doppelt erleb’, kann ich auch doppelt sehn. In Phoenix angekommen, holte mich Jeffs Frau Sylvia vom Flughafen ab und brachte mich straight ins Dahlhouse. Dortens gabs erstmal ein großes Hallo mit Jeff, Freddy Lynxx und den Jungs der Golden Arms. Ein paar schnelle Biere im stehen und es raffte mich auf die Luftmatratz.

11. 11. Der early Bird fängt den Wurm und ich demzufolge früh auf die Terasse gestoffelt. Zur Erklärung, Jeff wohnt so’n bischen außerhalb von allem, zwischen Kakteen und Koyoten. Hat sich dort ein nettes Haus gekauft und richtet sich gerade ein eigenes Studio in einem Extrabau ein. Die Golden Arms hatten am Abend zuvor schon einige Basics für ihre neue Langrille aufgenommen, so daß alle noch am pennen waren. Hioshi pennt sowieso hauptsächlich, dadurch haben die Burschen wahrscheinlich auch diesen coolen Twaang. Morgens sind Jeff, Freddy, die Japse und ich in diverse Gitarrenläden gefahren. Ich hab mir so’n coolen Amp in der Zigarettenschachtel gekauft, pretty weird. Nachmittags gings shoppen – Resultat: Eine Jeans für mich und eine CD für Spatzel. Abends hat Sylvia, Magic Sylvia, Gypsy Sylvia mir die Karten gelegt, nachdem wir etwas Heu hatten, definitely weird – King of swords is looking for his ship to come in..

12.11. Sylvia, Freddy, Koyi, Tamito und ich sind zu Zoe Halbblut gefahren. Zoe wohnt irgendwo in den Wüstenbergen, in der definitiv coolsten Hippyecke der Welt. Sie ist Silberschmiedin und macht sehr stranges Zeugs mit Klapperschlangen, Lurchköpfen und Koyotentatzen… Wir mußten einfach was zusammenstellen, jeder für sich, kleine Schmankerl. Abends bin ich mit Sylvia und zwei Japsen auf Cowboykneipen-Bummel. In einer Bar war grad so’n Songcontest und Sylvia überredete mich irgendwas zu trällern. Natürlich machte ich den Elvis – and it was a blast! Die Leute wollten mich garnicht mehr von der Bühne lassen, kein Scherz. Danach bekam ich aus allen Ecken Bier zugesteckt, mußte Kindern die Hand drücken, mich mit jungen Müttern fotografieren lassen…Schwer betrunken gings auf die Matratz.

13.11. Morgens mit der ganzen Blase in so’n Egghouse, frühstücken. Sofort erkannte mich der Dorflehrer wieder und lud mich als Specialguest auf den Schulball ein, eine Woche später stattfinden sollte. Ich sagte erstmal, »Schönen Dank«, wußte ich doch noch garnicht, wohin mich meine Boots walken wollten. Den Rest des Tages verbrachten wir im Studio, wo ich für die Golden Arms einige Chöre einsang und je ein Solo für die Arms und Freddy einzockte.

14.11. Vertrieben uns den Tag in so’nem Guitarcorner und diversen Plattenläden. Danach gings dann zum »Desert Trash Blast« erster Teil. Das DTB ist ein von Jeff Dahl initiiertes Festival, das an zwei Tagen den zur Zeit angesagten US Underground präsentieren soll. Der Showplace namens Nitas Hideaway ist so, wie man sich das vorstellt – Bretterbude mit Theke und Bühne. An den Wänden alte Poster von Bands und Autos, Bierwerbung und Football. Na ja, ich stand da grad so rum, als plötzlich ein Schrei durch den Laden gellte »Hell no, Zepp« woraufhin mir ein kleiner Wusel an den Hals flog. »Bam Bam« kam es von meinen dicken Negerlippen und dann folgten erstmal Storys-Jokes-Storys. Bam Bam einst Drumer bei J.F.A. lernte ich auf der 95er Dahltour kennen, als er dortens hinter den Pauken saß. Die Show des ersten Abends verlief folgendermaßen: The Vices machten den Opener – so’ne Art Mod’n’Roll Trio, quite smart, quite sharp. Dann kam Bam Bams neue Kapelle » The Medieval Knievels«, in lustigen Speedway Anzügen und spielten Instrosound like Astroman meets Surfbaby, Rezillos meets Spotnicks, Hasil Adkins meets LSD – queer cool. Die angekündigten Drags wurden durch die »Curse of the pink hearse« ersetzt. Rockabilly from the cave really! Danach gabs den Highlight »Lazy Cowgirls«! Neues Line up, neue Platte , but still the same old hot shit like before. Das hat definitif gerockt!!

15.11. Hab so’n bischen mit den Jungs rumgelungert und »London Boys« eingeübt, welches ich mit den Golden Arms abends zum besten geben sollte. Später bin ich mit Sylvia schwimmen gegangen, danach ab zur Show zweiter Teil. Kevin K. hatte gerade angefangen, als wir endlich reinkamen. Der Laden war proppevoll, Jeff folglich mehr als gutgelaunt. Kevin spielte Thundersrock ohne Fisimatenten. Es folgten die Trash Brats mit ihrem Downtown nowhere Tuntenglam. Da kam schonmal richtig Stimmung auf, besonders bei der Damenwelt, als der Basser Sack unterm Rock zeigte. Die Golden Arms spielten anschließend ihren Thundersrock, was allerdings etwas witziges hatte – so mit asiatischem Flair irgendwie. London Boys konnten wir dann aus Zeitgründen leider nicht mehr zusammen spielen, anyway. Jeff himself gab danach ein Stelldichein, mit Freddy an der Gitarre und dem guten alten Jim am Bass, gut wie immer das ganze. Obwohl Jeff nur Klassiker wie Sonic Reducer, GTO’s, Born to lose etc. spielte, kam er sehr gut an. Bei den abschließenden U.S. Bombs gabs dann richtig Aso Power der 77er Schule. Leider verstanden das einige Boneheads irgendwie falsch und es gab lang und breit auf’s Maul. Jeff erzählte mir hinterher, daß es zwei Faschogangs waren, die sich gegenseitig behauten – find ich gut, solln’se sich doch gegenseitig die Hirse, die blöde, von den Schultern hebeln, den Rest macht dann die Müllabfuhr.

17. 11. Verbrachten die letzten beiden Tage mit mixen von den Arms und Freddy recordings. Die Arms sind heute morgen back gen Schlitzaugenhausen, so langsam wird’s ruhig im Dahlhouse und irgendwie sind alle so’n bischen bedröppelt, weil sich die illustre Runde bit by bit verabschiedet. Morgen reist Freddy weiter und ich werd mich dann auch vom Acker machen. Habe noch’n Mietwagen abgecheckt und mir fiel auf, daß es hier für alles solche coupons gibt, die vieles günstiger machen. Da kann man schonmal carrentalcoupons in einer Zeitung finden und spart dann ordentlich Knatter – fine, fine, fine. Den Rest des Abends verbrachten Freddy und ich mit packen und quatschen. Es gab noch’mal ordentlich Bier und wir entschlummerten friedlich.

18.11. Freddy’s gone und ich schoß auch in den Wind. Glück hatte ich noch beim carrental, statt des gemieteten Knutschkuppels, wegen billig, gabs’n lecker Chevy, da Knutschkuppel lädiert. Great stuff, den Country Sender angemacht und ab auf’n Highway, cruisin around. Auf meinem Weg nach Tucson lief plötzlich Ziggey Marley im Radio »Tomorrow people« und wie ich da so durch die Prairie gurkte, der Sonne entgegen, stand mir tatsächlich die Suppe in den Augen – nur für die, die verstehen. In Tucson fand ich sofort Quartier im Hotel Congress. Das war ein Tip von Spatzel und ich bin dankbar dafür, lernte ich doch so den großen Al Perry kennen.

19.11. Al wollte in der Nacht noch eine Radiosendung machen und lud mich als Special guest ein, was ich mir natürlich nicht entgehen lassen durfte. Die Sendung lief in dem offiziellen Townsender und wurde von uns live von 2 – 5 Uhr morgens gemacht. Bevor wir jedoch zum Sender gegangen sind, sah ich mir noch in so’ner Bar die Anny Hawkins Band an und trank diverse Buds. Bud wird von den meisten Amis übrigens »frogpiss« genannt, dafür saufen die lieber so’ne halbgare Mexicoplörre – na ja. In Tucson ist jeden Abend irgendwo live Musik, das Hotel Congress ist voll der Western und ich gab mir nach Anny Hawkins noch den Rest Heu, den mir Sylvia zusteckte – du siehst liebes Tagebuch, ich komm ganz gut voran. Bis zur Radiosendung legte ich mich dann noch ein halbes Stündchen auf’s Ohr und dann began der Spaß. Ich schenkte Al eine Vinyl Ausgabe der letzten Shocky Horrors Scheibe Coma Beach, von der er auch sechs Songs spielte. Die Show selbst war sehr witzig, weil Al mich richtig mit einbezogen hat. Dauernd mußte ich irgendwelche ads und news vorlesen, hielt mir dabei die Nase zu oder sprach extra abgehackt – selbst die Anrufer fanden’s witzig. Jetzt muß man sagen, daß das Radio in solchen Regionen tatsächlich genutzt wird. Überall läuft immer Radio. Folglich nimmt dieses Medium einen anderen Stellenwert im Alltag ein, als bei uns. Zum Schluß der Show hatte ich dann einen Wunsch frei und spielte Live on Mars von Bowie für Sylvia, die andere.

22.11. Melde mich zurück. Nach der Radiosendung bin ich ins Hotel zurück, nam noch ein paar Bier, schlief so vier Stunden und bin dann völlig duselig durchs Town geschlendert. Habe viele lustige Platten- und Gitarrenläden entdeckt, das Hippy- Studentenviertel erkundet und sogar einen Lack- und Lederladen ausgemacht. Letzterer hatte zwar ne nette Bedienung, aber leider nicht den schicken 50’s-stile-stuff. Abends ging ich dann in meinen Lieblingsladen 3rd Stone, doch die Band war noch nicht da. Dafür schenkte mir die Bedienung das schönste Lächeln der Welt – ein Zuckerkuss mit Zuckerguß – das ging runter wie Öl. Ich holte mir dann noch einen sixpack und schrieb in der Nacht Grußkarten für alle im Heim gebliebenen. Der nächste Tag zeigte mir den Weg nach Nogales/Mexico. Mein Chevy cruised fine und ich stackelte dann durch dieses Städtchen. Strange, strange, viel zu voll, jeder will einem was andrehen und Typen über 1,80 fallen sowieso sofort auf, besonders wenn sie dann noch schwarze Lederplörren tragen, as I did. Da sich dann doch keiner traute, mich aus dem Leben zu pusten, kam ich gut zurück nach Tucson und hörte auf dem Rückweg im Radio, daß es genau da, wo ich kurz vorher noch war, drei Tote bei einer Schießerei gab, von wegen drugdeal und white money. Abends sah ich noch zwei sehr gute Bands. Puddlehead, ein Trio mit großer Stimme und guten Songs, so zwischen Replacements und Radiohead – sehr intensiv. Danach die Backbeat Burners, auch ein Trio, zwar nicht ganz so gut vom Gesamteindruck wie Puddlehead, aber der Gitarrist… Der Typ war vielleicht 22, sah aus wie Johnny Winter und stand da in Sandalen! Der spielte diese ganzen SRV, Dickey Betts, Duane Allman Licks und zwar sowas von flüssig, glatt die Hölle, nervte dann aber irgendwann und ich ging ins Hotel zurück. Dort erwartete mich eine riesen 80er Fete, der ganze Laden volles Programm am tanzen. Und gerade will ich mich bei einem Adam Ant Hit in Extase verstzen, da gehn die Lichter an. Sperrstunde, alles raus und jeder geht tatsächlich sofort ohne zu mucken.

23.11. Nachdem ich mit Al den größten Plattenladen der Welt, PDQ, durchforstete, sind wir kurz in seine Bude. Da präsentierte sich mir der coolste Stilbruch und die seltsamste Plattensammlung überhaupt. Überall standen seltsame Jesusschreine, Elvismarginalien und Dianadevotionalien herum, weird, weird. Danach sind Al und ich zu einem Piraten-Radio-Sender, wo unsere zweite Show starten sollte. Dortens wurd’s richtig bunt. Vier Stunden würfelten wir Heino, Gunter Gabriel, Jimmy Keith, Flamin Groovies, Electric eels, Clash, Jeff Dahl, Link Wray etc. durcheinander, daß es seine Art hatte. Die Entdeckung des Abends war für mich ganz klar Mrs. Miller, sone durchgeknallte Countrychantöse auf Pilzen oder so. Wann immer jemand die Chance hat an eine Platte dieser – ich sag jatzt mal – Ohrbeleidigung zu kommen, bitte eine Copy zu mir!

27. 11. Nach einer Woche Tucson und Umgebung fuhr ich zurück zu Sylvia und Jeff, um dort wieder mein Basislager zu beziehen. Ich fuhr so’n bischen durch die Gegend, Richtung Grand Canyon, entdeckte Sedona, ein sehr nettes Örtchen in den Red Rocks, verweilte in Jerome, das vergessene Countrynest, das an einer Steilwand pappt und vertrieb mir überdies ganz nett die Tage. Am 25. genehmigte ich mir nochmal die Trash Brats, die in Phoenix im Long Wongs spielten. Sie gefielen mir noch besser, als zwei Wochen zuvor. Die Jungs waren zu dem Zeitpunkt gerade drei Wochen unterwegs auf ihrer sechs Wochen Tour quer durch die US. Beachtlich finde ich, wie professionell die ganzen Bands hier arbeiten! Die Band kommt ca. eine halbe Stunde vor Auftritt an den Spielort, baut ganz locker die Klamotten auf, selbst der Drummer packt an! Man spielt seinen Streifen runter und macht Platz für die nächste Band, erst dann wird getrunken. Ein Novum aus unserer Sicht. Bedenkt man wieviel Nervereien es hier manchmal mit den albernsten Bands der Welt gibt, die alle acht Monate mal’n Gig spielen und sich dann gebärden wie Starseinsohn, ist mir dieses lockere aber unglaublich souveräne Verhalten der Bands, die ich dort sah, wesentlich lieber. Komisch dann nur, wenn Amibands hier den Hermann machen…Nach den Brats hab ich mir noch die Piersons angesehen, so’ne Mischung aus Powerpop meets Replacements = Goo Goo Dolls. Gefiel mir sehr gut. Der heutige 27.11., allen als Thanks Giving bekannt, hielt dann noch einige Überraschungen bereit. Sylvia und Jeff hatten einige Gäste geladen, um diesen Tag gebührend zu feiern. Jeff kochte sich in fahrt und präsentierte das wohl beste turkey mit mashed potatoes und reichlich veggies, das je ein Mensch gesehen hat. Thanks for everything to Jeff and Sylvia.

29.11. Der Flieger ist schon fast über’n großen Teich, ich bin um ca. 40 LP’s, 20 CD’s und 25 7’s schwerer, hab gut 2.000 miles mit meinem Chevy durchgurkt, 15 Bands gesehen, 2 Radioshows mitgestaltet, auf drei Platten mitgewirkt und dieses großartige Arizona in mein Herz geschlossen. Mir kann keiner – stay teenage, Yours Zepp